
3000 Jahre
Geschichte
“Marokko hat nicht eine Geschichte. Es hat mehrere, geschichtet wie die Lagen eines tausendjährigen Zellige.”
Berberische Ursprünge
Im Fokus
Die Berber (Imazighen) sind die ursprünglichen Bewohner Marokkos. Ihre Anwesenheit reicht über 10 000 Jahre vor Christus zurück.
Vor den arabischen Eroberungen, vor den Römern, vor den Phöniziern gab es die Imazighen — die freien Menschen. Ihre Sprache, das Tamazight, ist heute neben dem Arabischen Amtssprache.
Die Phönizier gründeten um 1100 v. Chr. Lixus beim heutigen Larache. Die Römer hinterließen Volubilis, eine Reichsstadt, deren Mosaike noch heute von der tiefen Romanisierung Nordmarokkos erzählen.
Das antike Marokko war ein Kreuzweg. Die Karthager handelten hier, die Römer verwalteten es, die Vandalen zogen durch. Doch all diese Wellen hindurch blieb die berberische Kultur bestehen, passte sich an und überlebte.

Der Islam und die Dynastien
Im Fokus
788 begründete Idris I. die erste arabische Dynastie Marokkos. Sein Sohn Idris II. gründete 808 Fès — die künftige geistige Hauptstadt des muslimischen Westens.
Die Ankunft des Islam in Marokko war keine brutale Eroberung, sondern eine allmähliche Verwandlung. Die Berber nahmen die neue Religion an und formten sie nach ihrem eigenen Bild — so entstand ein ganz eigener marokkanischer Islam.
Die großen Berberdynastien, die Marokko gebaut haben:
Die Idrisiden (788–985) gründeten Fes, die erste Hauptstadt. Die Almoraviden (1040–1147) errichteten ein Reich, das vom Senegal bis nach Spanien reichte. Die Almohaden (1121–1269) bauten die Koutoubia, die Giralda in Sevilla und den Hassan-Turm. Die Meriniden (1244–1465) eröffneten mit ihren prächtigen Medersen das goldene Zeitalter von Fes.
Jede Dynastie hinterließ ihre Spur in Stein, in Zellige und im gemeinsamen Gedächtnis. Das mittelalterliche Marokko war eine Großmacht des Mittelmeers.
Wusstest du?
Die 859 gegründete Universität Al-Qarawiyyin in Fès gilt als älteste durchgehend arbeitende Universität der Welt.

Das goldene Zeitalter der Scherifen
Im Fokus
Die scherifischen Dynastien — erst die Saadier, dann die Alaouiten — regieren Marokko seit dem 16. Jahrhundert. Das heutige Königshaus ist alaouitisch.
Die Saadier (1554–1659) schlugen Osmanen und Portugiesen zurück. Sie errichteten die Saadiergräber in Marrakesch, die erst 1917 wiederentdeckt wurden — 250 Jahre lang hinter einer Mauer verborgen.
Die Alaouiten (1631 bis heute) einten Marokko und widerstanden der europäischen Ausdehnung. Moulay Ismail machte Meknes zu einer Königsstadt, die man mit Versailles verglich. Seine 55 Jahre auf dem Thron sind eine der längsten Regierungszeiten der marokkanischen Geschichte.
Im 18. Jahrhundert kamen die ersten Handelsverträge mit europäischen Mächten. Marokko bewahrte seine Unabhängigkeit, wo andere unter Kolonialherrschaft fielen.
Ein historisches Paradox
Marokko ist eines der wenigen Länder Afrikas, das nie vom Osmanischen Reich beherrscht wurde — dank des Widerstands der scherifischen Dynastien.

Das Protektorat
Im Fokus
Der Vertrag von Fès vom 30. März 1912 stellte Marokko unter französisches Protektorat. Der Widerstand hörte nie auf.
Der Vertrag von Fes war ein Bruch. Frankreich nahm die Mitte und den Süden, Spanien den Norden und die Sahara. Tanger wurde internationale Stadt.
Marschall Lyautey, der erste Generalresident, baute die Neustädte — die Medinas blieben erhalten, die europäischen Viertel entstanden daneben. Ein städtebauliches Erbe, das in Casablanca, Rabat und Marrakesch noch sichtbar ist.
Der Widerstand hörte nie auf. 1944 wurde die Istiqlal, die Unabhängigkeitspartei, gegründet. Sultan Mohammed V. wurde 1953 nach Madagaskar und dann nach La Réunion verbannt — was den Aufstand auslöste.
Im Fokus
Die Verbannung Mohammeds V. 1953 war Frankreichs entscheidender Fehler. Der Sultan wurde zum Märtyrer, seine Beliebtheit wuchs ins Unermessliche. Zwei Jahre später kehrte er im Triumph zurück.

Die Unabhängigkeit
Im Fokus
2. März 1956: Marokko erlangt seine Unabhängigkeit zurück. Mohammed V. wird König. Sein Sohn Hassan II. folgt ihm 1961 und regiert 38 Jahre.
Die Unabhängigkeit wurde verhandelt, nicht mit Waffen erkämpft. Am 16. November 1955 kehrte Mohammed V. aus dem Exil zurück — ein Datum, das heute als Tag der Unabhängigkeit gefeiert wird.
Die Herrschaft Hassans II. (1961–1999) war vielschichtig: wirtschaftliche Modernisierung, der Grüne Marsch von 1975, der die Sahara zurückholte — aber auch die „bleiernen Jahre“, eine Zeit politischer Unterdrückung.
1999 bestieg Mohammed VI. den Thron. Ein neues Kapitel begann.
Der Grüne Marsch
Am 6. November 1975 rief Hassan II. zum Grünen Marsch auf: 350 000 marokkanische Zivilisten zogen mit Fahnen und dem Koran in die Westsahara. Spanien gab nach.

Marokko heute
Im Fokus
Mohammed VI. regiert seit 1999. Marokko ist Afrikas meistbesuchtes Reiseziel, mit 14 Millionen Gästen im Jahr.
Marokko ist 2026 ein Land in schöpferischer Spannung. Tradition und Moderne. Ein Casablanca, das Dubai gleicht, drei Stunden von einem Fes entfernt, das sich seit dem Mittelalter nicht verändert hat.
Der Tourismus boomt. Der Schnellzug verbindet Casablanca in 2 Std. 10 Min. mit Tanger. Marrakesch hat seinen internationalen Flughafen, Agadir seinen Badeort.
Doch das echte Marokko hält stand. Die Souks von Fes sind unverändert. Die Biwaks in der Wüste empfangen weiter Gäste unter den Sternen. Die Berberinnen weben noch dieselben Muster wie ihre Großmütter.

Die Städte, die Geschichte gemacht haben
Die Geschichte ist geschrieben.
Deine Reise steht noch aus.
Bau dir eine persönliche Route durch 3000 Jahre Geschichte.
Meine Reise planen


